Zur Erinnerung: Nosokomiale HBV Übertragungen durch Mehrfachverwendung von Spritzen und Schläuchen

Ein Fallbeispiel aus gegebenen Anlass: An ein Gesundheitsamt wurden im Abstand von wenigen Tagen zwei akute Hepatits-B-Fälle (Patient C und Patient D in der Grafik) gemeldet. Retrospektiv konnte herausgearbeitet werden, dass es durch einen Patienten A, der zum OP-Zeitpunkt unerkannt chronisch HBV-infiziert war, zu einer nosokomialen Übertragung von HBV kam. Das Virus wurde auf einen im OP-Programm nachfolgenden Patienten B transmittiert.

Dieser spendete fünf Wochen später Blut, wobei in den dabei durchgeführten Untersuchungen, einschließlich Minipool-PCR auf HBV-DNA, kein Hinweis auf die HBV-Infektion vorlag. Das Erythrozyten- konzentrat führte zu einer asymptomatischen chronischen HBV-Infektion bei Patient F. Vier Monate später wurde dieser Patient wieder operiert. Bei diesem Vorgang wurden erneut zwei im OP-Programm nachfolgende Patienten (D und E) infiziert.

Durch Sequenzierung des S-Gens konnte eine in Deutschland sonst nicht vorkommende Variante des HBV bei allen Patienten nachgewiesen werden.

Die Ermittlungen ergaben, dass die Mehrfachverwendung von Spritzen und Schläuchen zu den HBV-Infektionen geführt hatte. Diese Vorfälle sollten erneut Anlass geben, das Hygienemanagement bei invasiven Eingriffen kritisch zu überprüfen bzw. erneut zu betrachten.
Ausführlicher Bericht im Deutschen Ärzteblatt, Jg. 103, Heft 16, vom 21. April 2006