Nachrichten

Gesundheitsministerkonferenz stärkt Transfusionsmedizin

Auf ihrer Hauptkonferenz im Juli 2007 in Ulm hat die Gesundheitsministerkonferenz einstimmig beschlossen, sich für eine Stärkung der Transfusionmedizin und die Versorgung der Bevölkerung mit Blutprodukten einzusetzen. Der genaue Wortlaut ist unter diesem Link einsehbar:  Beschluss der 80. Gesundheitsministerkonferenz der Länder vom 5.6.2007, TOP 5.11: Stärkung der Transfusionsmedizin, Versorgung der Bevölkerung mit Blutprodukten

Änderung der Hämotherapie-Richtlinien durch BÄK

Im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut hat der Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) am 30. März 2007 die Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie) in einigen Punkten modifiziert:

Unter anderem ...

(a) die Hospitation verkürzt sich von 4 auf 2 Wochen für die Qualifikation als Blutdepotleiter,

(b) die Anti-Hbc-Testung wurde als Freigabekriterium für Blutspenden aufgenommen,

(c) eine Blutgruppenbestimmung bzw. ein Antikörpersuchtest ist nicht mehr erst ab einer Transfusionswahrscheinlichkeit von 10% erforderlich, sondern immer dann, wenn eine Transfusion ernsthaft in Betracht kommt

(d) es wird neu vorgeschrieben, dass im Falle von Transfusionen im Notfall ohne Aufklärung des Patienten, eine nachträgliche Aufklärung zu einem späteren Zeitpunkt zwingend wird. Dafür muß im QS-Handbuch vorgeschrieben werden, wer für diese Aufklärung verantwortlich ist,

etc..

Den genauen Wortlaut der Änderungen finden Sie im Deutschen Ärzteblatt, Jg. 104, Heft 23, S B 1486 oder unter diesem Link.

Ärzte fühlen sich von der Professionalitäts-Debatte ausgeschlossen

Ärzte stehen ihrer Zukunft, bezogen auf die medizinische Professionalität, pessimistisch gegenüber. Definiert durch eine Reihe von Werten, Verhaltensweisen und Beziehungen, die das Vertrauen ausmachen, das die Öffentlichkeit in Ärzte setzt, fühlen sie sich von den Diskussionen zu diesem Thema ausgeschlossen und entfremdet.

Zu diesem Schluss kommen Richard Horton, Herausgeber von The Lancet, Ian Gilmore, Präsident des Royal College of Physicians, Sue Shepherd, ebenfalls Royal College of Physicians, Niall Dickson, Vorstandsvorsitzender des King’s Fund und Steve Dewar, ebenfalls King’s Fund, der in einem Kommentar in The Lancet verfasst wurde.
Deutsche Zusammenfassung auf wissenschaft-online.de.

Quelle: Richard Horton and others. Do doctors have a future?. Lancet 2007; 369: 1405

Die AMWHV (Arzneimittel-Wirkstoff-Herstellungs-Verordnung) tritt in Kraft

Am 3. November 2006 wurde die neue „Verordnung über die Anwendung der Guten Herstellungspraxis bei der Herstellung von Arzneimitteln und Wirkstoffen und über die Anwendung der Guten fachlichen Praxis bei der Herstellung von Produkten menschlicher Herkunft“ (AMWHV) im Bundesgesetzblatt (I, 2006, 2523) veröffentlicht.

Diese Verordnung ersetzt die alte PharmBetrV und setzt europäische Vorgaben bei der Arzneimittelproduktion in nationales Recht um. Die Regelungen sind sehr detailliert und in weiten Bereichen gegenüber der alten PharmBetrV deutlich verschärft.

Wer die AMWHV im Original nachlesen möchte, kann das über diesen Link http://bundesrecht.juris.de/amwhv  tun.

Dritter britischer Fall von vCJD nach Bluttransfusion

In Grossbritannien ist der dritte Patient an der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (vCJD) verstorben, der nicht-Leukozytendepletierte Bluttransfusionen von später an vCJD verkrankten Blutspendern erhielt. Dies ist zugleich der 1. derartige Fall, bei dem die Diagnose der Erkrankung bereits vor dem Tod gestellt werden konnte.

Zwischen der Transfusion und dem Ausbruch der Erkrankung beim Spender lag eine kurze Inkubationszeit von nur 20 Monaten. Die ersten Symptome einer vCJD beim Empfänger zeigten sich wie in einem der ersten beiden Fälle etwa 6 Jahre nach der vermutlich infektiösen Transfusion. Offenbar lassen sich Prionen - wie andere Krankheisterreger auch - leichter parenteral als enteral übertragen. Die Forscher sprechen sich als Diagnoseinstrument für eine Tonsillenbiopsie aus, bei der der Prionen-Nachweis oft früher gestellt werden könne als mittels MRT.
TheLancet.de, 8.12.2006 (deutsch) bzw. Lancet (368):2061-2067

Empfehlungen zur Thromobyztentransfusion der Thrombozyten-AG der DGTI

Die Empfehlungen zur Thrombozytentransfusion wurden von einer Arbeitsgruppe aus Mitgliedern von drei medizinischen Fachgesellschaften erarbeitet. Diese Leitlinien wurden von den Vorständen der DGTI, GTH und DGHO sowie A. Salama, Berlin, und folgender Expertengruppe der DGHO: D. Bunjes, Ulm; A. Ganser, Hannover; H. Hempel, Ulm; W. Hiddemann, München; H. Ostermann, München; M. Schrappe, Kiel; E. Seifried, Frankfurt; H. Wandt, Nürnberg, nochmals geprüft und ergänzt.
Die Empfehlungen wurden noch nicht von der Bundesärztekammer beschlossen.
Transfusion Medicine and Hemotherapy 2006;33:528-543

Arbeitskreis Blut verabschiedet Votum 34

Bisher wurde das Vorgehen bei Look back-Verfahren (Rückverfolgungsverfahren nach § 19 Transfusionsgesetz) im Detail durch das Votum 24 des Arbeitskreises Blut vom 8. November 2000 geregelt. Nun hat der Arbeitskreis Blut dieses Votum überarbeitet und an die aktuellen Gegebenheit angepasst.

Herausgekommen ist ein neues Votum mit der Nummer 34, welches am 14.06.2006 verabschiedet wurde. Das alte Votum Nr. 24 wird damit ungültig. (Beachte: für die Vorgehensweise bei vCJK gibt es ein eigenes Votum mit der Nummer 33).
Das neue Votum ist wesentlich detaillierter als das alte. Wer es im Detail nachlesen will, kann das hier tun:

Votum 34 des AK Blut vom 14.06.2006
Anhang A1 ; Anhang A2Anhang A3 ; Anhang B1 ; Anhang B2
Anhang C1 ; Anhang C2Anhang C3 ; Anhang D1 ; Anhang D2

 

Umstrittenes Gewebegesetz

Mit dem Gewebegesetz soll eine Richtlinie des Europäischen Parlamentes vom März 2004 zur Festlegung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards für die Spende, Beschaffung, Testung, Verarbeitung, Konservierung, Lagerung und Verteilung von menschlichen Geweben und Zellen umgesetzt werden.

In der teilweise kontrovers geführten Diskussion finden sich insbesondere folgende Problemfelder:

a) Unentgeltlichkeit für die Gewebetransplantation (genauso wie für die Organtransplantation)?
b) Vorrang der Organtransplantation gegenüber der Gewebe- und Zelltransplantation?

c) eine differenzierte Betrachtungsweise für die unterschiedlichen Gewebe und ihre tatsächliche Verwendung
d) die reproduktionsmedizinische Bedeutung (gesondert geregelter Bereich? - Embryonen - "Arzneimittel")

 

Vogelgrippe erreicht Transfusionsmedizin

Mit Schreiben vom 03.03.2006 teilt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) allen Herstellern von Blutprodukten mit, dass der Arbeitskreis Blut (Untergruppe „Bewertung Blut-assoziierter Krankheitserreger“) empfohlen hat, alle Personen, welche direkten Kontakt zu tot aufgefundenen Tieren hatten, für 2 Wochen von der Blutspende zurückzustellen.

Die Übertragung des aviären Influenzavirus H5N1 von Mensch zu Mensch durch Blutkomponenten sei zwar extrem unwahrscheinlich; trotzdem wird die Rückstellung als „höchst vorsorgliche Maßnahme“ empfohlen.

Grundsätzlich sei zwar anzunehmen, dass es bei Infektionen mit H5N1-Viren sehr rasch zum Auftreten von Symptomen käme, welche eine Rückstellung der betroffenen Personen von der Blutspende auslösen würden. Aufgrund der begrenzten Anzahl humaner Fälle sei jedoch nicht bekannt, wie lange die Inkubationszeit dauert und in welchem Maße infizierte Personen vor Symptombeginn virämisch sind und somit eine potentielle Infektionsquelle darstellen.

 

Arbeitskreis Blut verabschiedet Votum 33 zur Vorgehensweise bei Variante Creutzfeld-Jakob-Krankheit (vCJK)

Am 11.1.2006 hat der Arbeitskreis Blut (AK Blut) des BMGS ein neues Votum verabschiedet. Es enthält Empfehlungen, wie man sich beim Auftreten einer Variante Creuztfeld-Jakob-Krankheit (vCJK) in Deutschland bei einem Blutspender bzw. einem Patienten verhalten sollte.

Insbesondere werden Empfehlungen zur Einleitung und Durchführung von look-back-Verfahren hinsichtlich gespendeter bzw. empfangener Bluttprodukte gegeben. Darüber hinaus hat der AK Blut in der Anlage Vorschläge veröffentlicht, welche Formulierungen man in Arztbriefen an Kollegen bzw. in Gesprächen mit betroffenen Patienten oder Blutspendern in dieser Situation wähle sollte.

Link: Das Votum 33 vom 11.01.2006 kann hier im Detail nachgelesen werden.

Neue Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie)

Die neuen Richtlinien zur Hämotherapie wurden am 05.11.2005 im Bundesanzeiger veröffentlicht und sind ab sofort gültig. Es haben sich viele Veränderungen ergeben. Der Besuch von Fortbildungsveanstaltungen zu diesem Thema wird seitens der Redaktion dringend empfohlen!! Entsprechende Termine in ihrer Nähe finden Sie auch in der Termindatenbank dieser Website.

Die Veröffentlichung im Bundesanzeiger zur Novellierung 2005 der RiliBÄK Hämotherapie der Bundesärztekammer finden Sie über diesen Link.

vCJK: Übertragung durch Gerinnungsfaktorpräparat gilt als unwahrscheinlich.

Robert Koch-Institut und die Bundesärztekammer raten zu Ruhe und Besonnenheit.
"Eine Erkrankung an der Variante Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) als Folge der Applikation der Charge 5676641 von Haemate HS/P1000 erscheine unwahrscheinlich, heißt es in einer Stellungnahme des „Arbeitskreises Blut“ vom 18. Januar. Die Information betroffener Patienten solle durch den behandelnden Arzt in angemessener Form erfolgen." Deutsches Ärzteblatt 102, Ausgabe 5, A-240

Hepatitis: Blut und Blutprodukte als Infektionsursache extrem selten, jedoch ...

Hepatitis B und C: Nur ein Bruchteil wird diagnostiziert
"Jeweils 400 000 bis 500 000 Menschen in Deutschland sind chronisch mit Hepatitis-B- oder Hepatits-C-Viren infiziert. Aufgrund von Impfung und Schwangeren-Screening ist die Hepatitis B seit 1997 rückläufig; bei der Hepatitis C aber greifen Präventionsmaßnahmen und Frühdiagnostik nicht wie gewünscht." Renate Leinmüller im Deutsches Ärzteblatt 102, Ausg. 5, A-241

Dritter Tumorfall nach SCID-Gentherapie in Frankreich

Dritter Tumorfall nach SCID-Gentherapie in Frankreich
"Am Montag, dem 24.01.2005, teilte die französische Arzneimittelbehörde AFSAPPS („Agence Francaise des Securité Sanitaire des Produits de Santé“) mit, dass ein dritter der insgesamt elf von Dr. Alain Fischer, Hôpital Necker des Enfants Malades, Paris, im Rahmen der SCID („Severe Combined Immunodeficiency Disease“)-Gentherapie behandelten Patienten an einem Tumor erkrankt ist. Die klinische Studie wurde daher erneut unterbrochen." Informationen des PEI.

Neue Grippetypen und Pandemiegefahr:

Warnung vor einer Weltgrippe (FAZ vom 19.01.2005): "Im Jargon der Seuchenexperten befindet sich die Menschheit seit nunmehr siebenunddreißig Jahren in einer „interpandemischen Phase”, in der Zeit zwischen zwei weltweiten Grippewellen." Von Christian Schwägerl.
Grippe-Pandemie: Größte Gefahr seit 50 Jahren (F.A.Z. vom 13.01.2005): "Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Kurth, hat sofortige staatliche Investitionen zur Vorbereitung auf eine katastrophale weltweite Grippewelle gefordert. Die Gefahr einer sogenannten Pandemie, also weltweiten Ausbreitung, der Viruskrankheit Influenza mit vielen Millionen Toten sei real und seit fünfzig Jahren nicht mehr so hoch gewesen wie heute..."
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